almut-in-scharf (3)„Wir machen jetzt zuerst Ihre Zahlen.“ Almut Schleifenbaum sitzt mir gegenüber im modern eingerichteten Besprechungsraum ihrer Kanzlei und legt mir meine Unterlagen vor. Wieder beobachte ich fasziniert, wie sie mir in typisch Schleifenbaumscher Über-Kopf-Lesart den Text vorliest. „Tja, wir sehen hier …“, beginnt sie mit bedenklicher Miene und setzt schelmisch ihre Pointe: „Sie bekommen alle Steuern zurück! Besser geht‘s nicht.“ Den Überraschungseffekt genießt sie sichtlich, erläutert mir die zu erwartende Erstattung und skizziert die wesentlichen steuerrelevanten Punkte meiner weiteren geschäftlichen Entwicklung. Sie hört genau zu, fragt nach, schreibt mit und beantwortet fachkundig und kompetent meine Fragen zu einem Problem, das internationales Steuer- und Verwaltungsrecht berührt. Ich fühle mich beruhigt, erleichtert, einfach gut aufgehoben.

„Wenn wir jetzt zum schönen Teil des Tages übergehen, lade ich Sie in mein Arbeitszimmer ein“, sagt sie anschließend und trägt kurzerhand die Tüten mit meinen Steuerordnern in den ersten Stock. Geerbte Ölgemälde in verschnörkelten Goldrahmen mit Szenen aus der metallverarbeitenden Industrie kontrastieren mit modernem Ambiente in Schwarz-Weiß. Auf vier Etagen arbeitet sie mit ihren Mitarbeitern in der zartgelb gestrichenen Villa, in der bereits ihr Vater seine Kanzlei für Steuern und Recht führte. Bei ihm begann sie unterm Dach als Assistentin mit Aufgaben für Steuererklärungen und Jahresabschlüsse. „Ich hab gerne mit meinem Vater gearbeitet und verstehe bis heute nicht, dass man Steuern als trocken empfinden kann. Das ist einfach das brüllende Leben!“ Sie erzählt vom so genannten Katzenfall, von seltenen Doppelerbfällen und schildert, wie sie nach einem Todesfall die anstehende Steuernachzahlung durch taktisch geschicktes Vorgehen zeitlich hinauszögern und die Witwe so entlasten konnte. „Das ist Verfahrensrecht. Das macht mir schon Spaß.“

Als Kind wollte sie Köchin oder Polizistin werden. Jetzt sitzt sie im ehemaligen Arbeitszimmer ihres Vaters, genießt es, durch die Milchglastür die Vorgänge im Mitarbeiterraum nebenan mitzubekommen, schnell Papiere holen zu können und manchmal auch einzugreifen, wenn das Telefon dort zu lange klingelt. Die oberen Etagen nutzt sie für Arbeiten, die absolute Ruhe erfordern.

Almut Schleifenbaum hat internationale Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre studiert und bereits im Studium für einen Verein die Buchführung gemanagt. Nach dem Tod ihres Vaters übernahm sie mit 32 Jahren seine Kanzlei und setzte sich gegen langjährige Mitarbeiter durch, die sich ihr als Tochter des Chefs skeptisch in den Weg stellten. Heute ist sie Steuer- und Rentenberaterin mit diversen Spezialisierungen – Schenkungs- und Umsatzsteuer, Fachberaterin für internationales Steuerrecht, Zölle und Verbrauchssteuer, Sanierung und Insolvenzverwaltung und Unternehmensbewertung. „Auf einen Expertenstatus beschränken möchte ich mich nicht“, betont sie, „es geht mir einfach darum, Probleme übergreifend lösen zu können, ohne an den Wissensgrenzen der jeweiligen Fachbereiche Halt zu machen.“ Stolz blättert sie durch ihre dicke Fortbildungsmappe. Kurios: Sie ist sogar diplomierte Zauberin. „Hier, guck mal, ich hab‘s bestanden“, freut sie sich. Almut Schleifenbaum ist ein natürlicher Typ, ungeschminkt, trägt helle Farben, Rock, Shirt, Weste und zweifarbige Pumps. Sie lacht gerne. Ab und zu springt sie auf, um etwas zu holen, zu veranschaulichen, geduldig zu erklären.

Es klingelt und ein Mitarbeiter meldet den nächsten Mandanten an. Sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Was sie an ihrem Metier begeistert? „Für mich geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Lebenssachverhalte. Da kann man wirklich Akzente setzen, für Aha-Effekte sorgen und etwas bewirken. Das Thema Dienstleistung ist mir sehr wichtig und ich freu mich, wenn ich jemandem aus der Patsche helfen konnte. Sorgfältige Sachverhaltsermittlung ist dabei unverzichtbar, und zwar jedes Jahr aufs Neue, ganz unvoreingenommen.“ Sie versteht sich gerne als rettende Feuerwehr zur Problemlösung, freut sich aber auch, wenn sie bereits im Vorfeld um Beratung gebeten wird. „Man ruft mich, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, wenn es Leichen im Keller zu finden gibt und wenn es brennt“, resümiert sie schmunzelnd.

Sie stellt hohe Anforderungen an sich selbst und ihre Mitarbeiter. „Das ist schon anspruchsvoll. Damit das weiter so klappt, machen wir jeden Monat eine Mitarbeiterversammlung, außerdem gibt es Vier-Augen-Gespräche beim Mittagessen und regelmäßige Gesundheitsevents.“ Im fast fertig ausgebauten Dachgeschoss richtet sie gerade ein Wellness-Center für Klienten und Mitarbeiter mit Infrarot-Wärmekabine, Relax-Sofa, Massagesessel und einem Mixer für grüne Smoothies ein. Ihre Vision: gesunde Steuerberatung für gesunde Unternehmen. „Steuern sind ein Symptom für die Balance im Unternehmen“, erklärt sie. Ihr wichtigster Wert: Freiheit. „Unternehmern, die sich in Darlehen und Geldsorgen verstrickt haben, wieder Luft zu verschaffen, das macht mir Spaß.“

Zu Hause angekommen, finde ich bereits eine Mail von ihr vor, in der sie über ihre neue Bilderkollektion im Dachgeschoss schreibt: „Ich glaube an die Macht der Farbe. Zahlen sind manchmal rot, oder auch schwarz, auf jeden Fall sind Steuern – bunt. Wie das Leben …“ Almut Schleifenbaum überzeugt – fachlich präzise, menschlich empathisch und überraschend kreativ.