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„Lassen Sie uns doch eine Runde im Park gehen“, schlägt Raymond Rieke vor, als ich ihn in seinem neuen Büro in Leverkusen besuche. An den Wänden lehnen ausgepackte Umzugskartons, Deckenlampen fehlen, Böden müssen noch verlegt werden. Mit kariertem Sommerhemd, orangefarbenen Jeans und Turnschuhen wirkt er lässig und wesentlich jünger, als er ist. Beschwingten Schritts führt er mich durch den Park und erzählt von einer kurzen Präsentation, die er am Morgen bei einem Unternehmerfrühstück gehalten hat: „Wenn Sie eine Banane von oben nach unten schälen, bleiben innen immer weiße Fäden hängen, die man dann einzeln entfernen muss. Wenn Sie sie von unten nach oben öffnen, passiert das nicht. Manchmal muss man die Dinge auf den Kopf stellen und vieles wird leichter. Das ist mein Metier.“

Wir kehren in sein Büro zurück und setzen uns in die kleine Küche.
Angefangen hat Raymond Rieke bereits während seiner Ausbildung als Fotograf und Groß- und Einzelhandelskaufmann in einer Medienabteilung, aus der er eine Firma für visuelle Kommunikationstechnik mit 14 Mitarbeitern aufbaute. Anschließend ging er als Gebietsverkaufsleiter zu Sony, arbeitete als Prokurist in einem Produktionshaus für große Sendeanstalten und baute dann die Niederlassung einer Firma im Bereich visueller Kommunikation auf. Als Verkaufsleiter und Geschäftsführer setzte er seine Karriere im Aufbau eines Händlernetzes für den Verkauf exklusiver Videotechnikprodukte fort. Nach etlichen Jahren, in denen er z.B. für Leo Kirch komplette Fernsehstudios ausstattete, übernahm Raymond Rieke in einem kanadischen Unternehmen für Software-Produktionstechnik als Europamanager das Segment virtuelle Studiotechnik. „Da war ich einer der Pioniere, das war sehr interessant“, erinnert er sich gerne. In den USA und in Kanada auf den größten Messen Vorträge vor Fachpublikum und Verbänden zu halten fiel ihm leicht. Ein Angebot, ganz nach Kanada zu gehen, schlug er der Familie zuliebe aus. Stattdessen baute er als Geschäftsführer für ein israelisches Unternehmen die deutsche Niederlassung auf und begleitete die Firma bis zum Börsengang. In Köln baute er zuletzt ein Dienstleistungszentrum für virtuelle Studiotechnik auf. Er weiß, wie man Firmen von Null auf Hundert bringt.

Nach einem Bruch mit den Gesellschaftern und großen finanziellen Verlusten – „Da hatte ich die Schnauze schon ziemlich voll von der ganzen Medienbranche“ – machte Raymond Rieke sich mit einer Unternehmensberatung für Gründer mit Schwerpunkt visuelle Medien und Vertrieb und Marketing selbstständig: „Mein Ansatz war ganz praktisch. Ich hab nicht nur beraten, sondern bin zum Teil über ein halbes Jahr in die Unternehmen gegangen, hab den Leuten geholfen, in die Märkte zu kommen, dort Fuß zu fassen und Schlüsselkunden zu generieren.“ Aber seine Energie ließ spürbar nach. Dazu kam noch eine familiäre Krise. In dieser angeschlagenen Situation geriet er an einen Kunden, dem er über Monate zur Seite stand. Nur seine Provision ließ auf sich warten. Er verzichtete. „Mein Sargnagel war dann ein Projekt, für das ich über sieben Monate das deutsche Händlernetz aufgebaut und Großkunden akquiriert habe. Da habe ich die Provision eingeklagt, noch Anwaltskosten gezahlt, dann ging die Firma in Konkurs und ich stand irgendwo auf der Liste.“

Die Energie war verloren, die Enttäuschung zehrte an der Substanz. Ein Jahr lang konnte Raymond Rieke nicht arbeiten. Seine Frau übernahm ganz und er überlegte, was er in seinem Leben noch machen wollte. Auf jeden Fall nichts mehr mit der Medienbranche zu tun haben und lieber kleine Brötchen backen, dachte er und entwickelte die Idee der Helpcompany. Raymond Rieke wirkt eher leise, ein sympathischer Kunstsammler, bescheidener Könner, ein stiller Mensch, der sich voll einsetzt und dafür auf entsprechende Anerkennung hofft. „Ich hab auf jeden Fall noch aus meiner Kindheit ein ausgeprägtes Helfersyndrom“, gibt er offen zu. „Wenn ich jemandem weiterhelfen kann und die emotionale Seite stimmt, gibt mir das viel“. Das liegt ihm am Herzen.

Mein Magen knurrt laut und sofort bietet er mir an, ein paar Nudeln zu kochen. Wir lachen lieber gemeinsam. Der Mann reagiert wie ein bester Freund, denke ich, empathisch, praktisch, unkompliziert. Die Helpcompany, sein „Baby“, gründete er vor fünf Jahren. In ihr versammelt er all sein Wissen und Können, seine praktische Erfahrung und seine Fähigkeit, große Netzwerke zu schaffen und sinnvoll einzusetzen.

Im Help Privatbereich unterstützt er für kleines Geld Privatkunden, ist der verlängerte Arm einer Reihe von Senioren und Familien, die dankbar für seine Hilfe sind. Vom Vermitteln eines Gärtners oder einer Haushaltshilfe bis hin zu größeren Projekten – für ein älteres Ehepaar hat er den ganzen Hausverkauf samt Logistik bis hin zum Restaurieren der alten Möbel und der Schlüsselübergabe an die neuen Besitzer übernommen – begleitet und unterstützt er mit seinem Netzwerk im Hintergrund so lange, bis das Projekt zur Zufriedenheit seiner Auftraggeber abgewickelt ist. Er verhandelt, erledigt unliebsamen Papierkram, hilft dort, wo es nötig ist. Nur die klassische Altenpflege überlässt er den Fachkräften: „Das ist nicht unser Thema. Wir sind ja auch nicht nur für Senioren da.“ Auch für gestresste Doppelverdiener mit Jobs im Ausland zaubert er zwei Tage vor Weihnachten noch schnell eine heimelige Atmosphäre ins Haus, poliert alles auf Hochglanz, füllt den Kühlschrank. Man fühlt sich an dienstbare Geister erinnert, fast märchenhaft.

Im Help Businessbereich betreut er Unternehmen, auch hier auf Stundenbasis und mit Provision, immer sehr moderat. Raymond Rieke hat so viele Firmen aufgebaut, er weiß, wie Geschäft funktioniert. Seine Affinität zu Technik kommt ihm dabei zugute. Für ein Unternehmen löste er zuerst Computerprobleme, brachte dann die gesamte Präsentation in Form, aktualisierte die Website und schafft jetzt eine Plattform, um das gesamte Wissen aus dem Kopf der Unternehmerin in einer Software zu konservieren, ein Millionenprojekt. Einem Spezialwerkzeuge-Hersteller stellte er mit seinen Partnern die ganze Warenwirtschaft auf den Kopf: „Rechnungswesen, Lagerwirtschaft, alles war old fashioned und wenig effektiv.“ Der gravierende Unterschied zu einer Unternehmensberatung? Er ist unmittelbar praktisch und ganz nah dabei, die Theorie bleibt im Hintergrund.

Ihm ist es wichtig, Talente zu fördern, richtig einzusetzen. Seine Mitarbeiterin: viersprachig. Mit ihr bot er auf großen Messen ein Rundum-sorglos-Paket für alle Belange russischsprachiger Aussteller an – Unterkunft, Werbung, Kundenbetreuung, After Sales, das kennt er alles aus dem Effeff. „Das Feedback: der Hammer“, schwärmt er begeistert.

Im Moment baut Raymond Rieke ein Franchise-System für diejenigen Talente mit Lebenserfahrung auf, die z.B. aufgrund ihres Alters auf dem Markt nicht mehr so gefragt sind, entwickelt einen Strauß von Anwendungsbeispielen als mundgerechte Pakete und denkt schon wieder weiter: „Die Helpcompany kann in jeder Stadt funktionieren. Später will ich nur noch tingeln und die anderen Teams unterstützen. Wenn ich nicht so viel verdiene mit der Helpcompany, aber eine Reihe von Leuten glücklich ist, dann ist das auch gut“, lächelt er. „Das ist genau das, was ich meine.“ Und er denkt daran, Künstler zu unterstützen, ihnen zu wirtschaftlichem Erfolg zu verhelfen. Ein Wegbegleiter, den man sich an seiner Seite nur wünschen kann.